Betreff: Re: Der Anfang
Wien, der 15.11. 2010
Liebe Anna,
ich bin ja so froh, dass du den Anfang gemacht hast.
Ich hasse Anfangen...
Ich hab da eine ähnlich lange Liste wie du, mit Sachen die ich begonnen und wieder aufgehört habe (Klavier, Gitarre, Bodenturnen, Jazzdance, Wing-tsun…).
Was mich zur Theorie bewegt, dass wir da ein Kindheits-/Jugendtrauma entwickelt haben könnten:
Wir haben hemmungslos alles Mögliche begonnen und haben es wieder aufgehört bevor sich irgend ein Erfolgserlebnis eingestellt hat. Da kann man das Anfangen doch gleich lassen oder?
Deine Verbindung zwischen Sammeln und etwas zu Ende bringen ist mir allerdings etwas suspekt:
Ich sammle zwar furchtbar viele Sachen (ich werde wohl ewig in der Schuld der tapferen Menschen stehen die, nebst der abartigen Sofalandschaft, meine viel zu große Büchersammlung, meine Kisten voller Taschen, Schuhen und Unverzichtbarem (Spongebobukulele, Bobbleheads, Glitter Play-Doh…) in unsere neue Wohnung geschleppt haben) aber zu Ende bring ich doch nichts.
Ich gebe die Hoffnung auch nicht auf, dass wir eines Tages doch unser Filmprojekt verwirklichen oder The Patricks irgendwann doch „84Kuna“ live performen (mit M. an der Triangel kann ja nichts mehr schief gehen oder?)
Vielleicht sollte ich an dem Filmprojekt arbeiten um ein Ziel zu haben?
Der V. hat sein erstes Buch veröffentlicht und den Sommer an der Wallstreet verbracht während ich mit 23, auf die Frage was ich einmal werden wolle, immer noch behaupte „Vielleicht bei ner Zeitung oder nem Verlag arbeiten“ ohne einen blassen Schimmer zu haben ob ich das sag, weil es besser klingt als „weis nich“ oder „Prinzessin“ oder vielleicht weil mir der Herr E. immer gute Noten gegeben hat, egal wie mies meine Rechtschreibung war…man weis es nicht.
Anna, „Projekt“ klingt so nach Baumarkt, aber ich finde wir haben das gut gemacht. Vermutlich sind wir eben doch noch das Dreamteam von damals.
Zur Feier deines ersten Blogeintrags hab ich mir übrigens ein Quittengeleebrot geschmiert.
Das Gelee kam von H.(sie erzählt immer noch mit stolz geschwellter Brust, dass der Haubenkoch K.sie nach dem Rezept gefragt hat) die mir letzte Woche, nicht ganz freiwillig (beiderseits), die Ehre erwiesen hat:
Liebe Anna,ich frage mich wie es dir so mit Fremdschämen geht? Vor allem Verwandte sind da immer gute Kandidaten.
Also, letzte Woche musste H. ins Krankenhaus in Wien.
Ich hab sie also am Bahnhof abgeholt und in ein Taxi verfrachtet. Sie humpelt also, für ihre 82 Jahre doch recht flott, Richtung Taxi nur um überdurchschnittlich laut zu sagen „Der Ausländer? Der findet den Weg doch nie!“ mein „Ja der gute kam mit nichts als seinem Teheraner Taxischein unterm Turban in dieses schöne Land“ wird gnädig überhört, stattdessen erklärt sie ihm konstant die ganze Fahrt lang wie die Straße heißt zu der wir müssen und fragt mich zwischen durch, wieder nicht gerade leise, „Wieso verwendet der kein Nawi, hat der kein Nawi, der soll doch sein Nawi einschalten?“. Dass ich ihm ca. 20% Trinkgeld gegeben habe, hat meine Scham auch nicht wirklich gelindert.
Es ist wohl ein bisschen zynisch, aber ab einem gewissen Alter ist wohl Hopfen und Malz verloren. Was meinst du, soll ich aufgeben und froh sein, dass sie immerhin statt der FPÖ Hans-Peter Martin gewählt hat?
Liebe Anna, ich hoffe du hast eine gute Woche und ich freu mich auf deinen nächsten Brief!
Alles Liebe Carla
PS: Du hast wirklich mal Tennis gespielt? Du bist die Enkelin, die meine Oma sich immer gewünscht hatte („Probiers doch nur EIN mal!“)
PPS: Vermutlich hätte Frau H. hier drunter geschrieben "Schön, dass sie mich auch nach 4Jahren nicht vergessen haben, lieber wär mir, wenn sie bei Satzzeichen etwas weniger Willkür walten lassen würden" das ist mir aber herzlich egal. Das ist meine kleine persönliche Rache für diese bescheuerten Maturafragen.
PPS: Ich finde Pfandflaschen sind eine gute Zukunftsinvestition.
Liebe Anna,
ich bin ja so froh, dass du den Anfang gemacht hast.
Ich hasse Anfangen...
Ich hab da eine ähnlich lange Liste wie du, mit Sachen die ich begonnen und wieder aufgehört habe (Klavier, Gitarre, Bodenturnen, Jazzdance, Wing-tsun…).
Was mich zur Theorie bewegt, dass wir da ein Kindheits-/Jugendtrauma entwickelt haben könnten:
Wir haben hemmungslos alles Mögliche begonnen und haben es wieder aufgehört bevor sich irgend ein Erfolgserlebnis eingestellt hat. Da kann man das Anfangen doch gleich lassen oder?
Deine Verbindung zwischen Sammeln und etwas zu Ende bringen ist mir allerdings etwas suspekt:
Ich sammle zwar furchtbar viele Sachen (ich werde wohl ewig in der Schuld der tapferen Menschen stehen die, nebst der abartigen Sofalandschaft, meine viel zu große Büchersammlung, meine Kisten voller Taschen, Schuhen und Unverzichtbarem (Spongebobukulele, Bobbleheads, Glitter Play-Doh…) in unsere neue Wohnung geschleppt haben) aber zu Ende bring ich doch nichts.
Ich gebe die Hoffnung auch nicht auf, dass wir eines Tages doch unser Filmprojekt verwirklichen oder The Patricks irgendwann doch „84Kuna“ live performen (mit M. an der Triangel kann ja nichts mehr schief gehen oder?)
Vielleicht sollte ich an dem Filmprojekt arbeiten um ein Ziel zu haben?
Der V. hat sein erstes Buch veröffentlicht und den Sommer an der Wallstreet verbracht während ich mit 23, auf die Frage was ich einmal werden wolle, immer noch behaupte „Vielleicht bei ner Zeitung oder nem Verlag arbeiten“ ohne einen blassen Schimmer zu haben ob ich das sag, weil es besser klingt als „weis nich“ oder „Prinzessin“ oder vielleicht weil mir der Herr E. immer gute Noten gegeben hat, egal wie mies meine Rechtschreibung war…man weis es nicht.
Anna, „Projekt“ klingt so nach Baumarkt, aber ich finde wir haben das gut gemacht. Vermutlich sind wir eben doch noch das Dreamteam von damals.
Zur Feier deines ersten Blogeintrags hab ich mir übrigens ein Quittengeleebrot geschmiert.
Das Gelee kam von H.(sie erzählt immer noch mit stolz geschwellter Brust, dass der Haubenkoch K.sie nach dem Rezept gefragt hat) die mir letzte Woche, nicht ganz freiwillig (beiderseits), die Ehre erwiesen hat:
Liebe Anna,ich frage mich wie es dir so mit Fremdschämen geht? Vor allem Verwandte sind da immer gute Kandidaten.
Also, letzte Woche musste H. ins Krankenhaus in Wien.
Ich hab sie also am Bahnhof abgeholt und in ein Taxi verfrachtet. Sie humpelt also, für ihre 82 Jahre doch recht flott, Richtung Taxi nur um überdurchschnittlich laut zu sagen „Der Ausländer? Der findet den Weg doch nie!“ mein „Ja der gute kam mit nichts als seinem Teheraner Taxischein unterm Turban in dieses schöne Land“ wird gnädig überhört, stattdessen erklärt sie ihm konstant die ganze Fahrt lang wie die Straße heißt zu der wir müssen und fragt mich zwischen durch, wieder nicht gerade leise, „Wieso verwendet der kein Nawi, hat der kein Nawi, der soll doch sein Nawi einschalten?“. Dass ich ihm ca. 20% Trinkgeld gegeben habe, hat meine Scham auch nicht wirklich gelindert.
Es ist wohl ein bisschen zynisch, aber ab einem gewissen Alter ist wohl Hopfen und Malz verloren. Was meinst du, soll ich aufgeben und froh sein, dass sie immerhin statt der FPÖ Hans-Peter Martin gewählt hat?
Liebe Anna, ich hoffe du hast eine gute Woche und ich freu mich auf deinen nächsten Brief!
Alles Liebe Carla
PS: Du hast wirklich mal Tennis gespielt? Du bist die Enkelin, die meine Oma sich immer gewünscht hatte („Probiers doch nur EIN mal!“)
PPS: Vermutlich hätte Frau H. hier drunter geschrieben "Schön, dass sie mich auch nach 4Jahren nicht vergessen haben, lieber wär mir, wenn sie bei Satzzeichen etwas weniger Willkür walten lassen würden" das ist mir aber herzlich egal. Das ist meine kleine persönliche Rache für diese bescheuerten Maturafragen.
PPS: Ich finde Pfandflaschen sind eine gute Zukunftsinvestition.
ichmagaber - 15. Nov, 21:41
