Montag, 28. März 2011

Vergiss nicht auf das Böse und nimm den Zauberstab auch zum Einkaufen mit

Liebe Anna,
es macht ja doch keinen Sinn sich zu entschuldigen. Du weist ja wie es ist.

Ich hab mir dieses Semester vorgenommen viel zu tun.
Ausserdem steh ich jetzt jeden Tag früh auf.
Das hat allerdings zur Folge, dass ich, wenn ich mal zuhause bin, kaum einen klaren Gedanken zustande bringe und mich in erster Line darauf konzentriere wach zu bleiben (weil früh ins Bett zu gehen schaff ich nicht, im Gegensatz zu A. Aber dazu vielleicht später).
Ergo keine Briefe an dich.
Jetzt in Woche 4. geht mir langsam die Energie aus. Das ist zu früh, aber ich hab eben immer noch einen Ferien-jetlag.
Von meiner Familie kommen Worte wie „Energiehaushalt“, „Disziplin“ oder „Zeitmanagment“.
Von F. Kommentare wie „ich schlaf dann halt nicht“, „Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich“ letzteres kenn ich von O. zur genüge und es jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken wie auch „Zum Bleistift“, „Familienbeihilfe“, „Karriere“ oder "Quarterlifecrisis"...

Apropos Quaterlifecrisis:
Letztens sitze ich doch endlich in meiner ersten Vorlesung zur Genderforschung und, wie es sich für eine ordentliche Einführung gehört, werden die ersten Frauennbewegungen chronologisch kurz erläutert. Neben mir sitzt L. Eine übermotivierte 19jährige. Als von verbrannten Bhs in den 1968ern die Rede ist, fängt sie laut an zu lachen („Entschuldigung, da kommt die Latina in mir durch“) und fragt mich ratlos wozu das gut sein soll.
Oh, ich hab mich ja so alt gefühlt, Anna. Fast so, als wäre ich dabei gewesen, beim Bh verbrennen.
L. War es auch, die mich ihren Freundinnen mit den Worten
„Das ist Carla, sie war bei der Audimaxbesetzung damals dabei“ vorgestellt hat.

Naja, immer noch besser als K. Die ihren neuen Freund mit
„Das ist R., er kennt viele Leute bei Fm4“ präsentiert hat.
Bei K. Fühle ich mich auch alt, trotz ihrer 26 Lenze und auf eine gute Art.
Sie steht auf Justin Bieber, hat mich tatsächlich dazu gebracht Twilight anzusehen und verhält sich mit zunehmendem Alkoholpegel wie ein pubertierendes Miststück.
Oh, da wünsch ich mir öfter mal deine Mama, um ihr die Leviten zu lesen! Ich glaub, sie würde diese Aufgabe gern und auch stilvoll übernehmen.
K. hat übrigens auch einen Zauberstab, aber Harry Potter findet sie blöd und dabei hat sie ihn zwar nur zum feiern, vermutlich aber aus den selben Gründen wie der kleine M.
Ein kluges Kind, wie ich finde.
Gut und Böse.
Die Grenzen dazwischen machen mich oft ein wenig wirr.
Wenn ich M. Blöd finde, mich aber V. Zu liebe mit ihr treffe und Spaß hab, aber weis sie ist eigentlich blöd, darf ich dann Spaß haben?
Ist es ok, nicht abzuheben wenn F. Anruft, weil man sein Gelaber über sein stressiges, aufregendes Leben nicht hören mag?
Und natürlich ist es von der dicken alten Frau gemein, mich zu beschimpfen weil ich es gewagt hab, 5 Sekunden länger als nötig vor dem Eingang stehen zu bleiben....
An dieser Stelle würde auch ein kurzer Bericht über das Zusammentreffen mit ein paar uns beiden wohlbekannten Salzburgern letztes Wochenende sinnmachen, aber ich will dich ja weder langweilen noch depremieren...

Lieber bitte ich dich, dir mein Gesicht bei folgendem Erlebnis vorzustellen (ja, auch hier geht es um Gut und Böse, wenn auch eher im Sinne „Jenseits von Gut und Böse“):
Vor einiger Zeit war Weltfrauentag.
Dessen war ich mir bewusst.
Ich gehe also Morgens an der Bank vorbei und wundere mich nur kurz über die Frauen die Backwaren vor der Bank verkaufen (bestimmt eine sarkastische Anspielung auf die informalisierte Arbeit der Frauen in Haushalt und illegalen Dienstleistungsverhältnissen) oder die Apothekerinnen die sich aus Erste-Hilfe-Folien Röcke und Bikinis gebastelt haben
(ganz klar, gegen die Sexualisierung in und dem körperfeindlichen Bild der Diätpräparat Werbungen).
Nachmittags am Nachhauseweg kommen mir auffällig viele gutgelaunte und überdrehte Leute entgegen.
Bestimmt Vollmond oder so.
Kurz vor Ladenschluss muss ich noch unbedingt Brot kaufen gehen und frage mich warum der Hundehaufen vor unserer Tür, ebenso wie der Rest der Straße, von Glitzerkonfetti bedeckt ist.
Erst als mir die bunten Girlanden am Spar Eingang entgegen leuchten wird mir heiß und kalt zugleich:
Es ist Faschingsdienstag!
Aber da ist es schon zu spät: "Bier oder Cola?" schreit mir eine als Panzzerknacker verkleidete dicke Verkäuferin entgegen „nichts“ stammel ich und dreh meinen mp3 Player lauter.
Als sie sich wieder umdreht seh ich die Rückseite ihres Kostüms: Polizeiuniform. Genial? Ich denke schon.
Nur für Brot und ein bisschen Milch bin ich 20 Minuten durch die Hölle gegangen.
Wer konnte aber auch ahnen, dass ausgerechnet der kleine Spar bei uns ums Eck mit Ottakringerrollwagen und Faschingskrapfenverkostung eine Art Epizentrum des Volksspaßes seinwürde?
Ich hab mich danach erstmal für eine Stunde im Schlafzimmer versteckt.
Wie du das jedes Jahr aushältst ist mir ein Rätsel, aber ich glaube du hast erwähnt, dass du in deinem Viertel relativ verrschont bleibst und man kann wohl auch eine Zeit lang seinen Bewegungradius einschränken. Ich jedenfalls, geh nächsten Februar nur noch zum Zielpunkt.

Bis bald, liebe Anna! Ich vermiss es mit dir irgendwo zu sitzen und deine Weisheiten anzuhören, das macht das Leben immer irgendwie leichter und verständlicher.
Kuss und Gruß
Carla

P.S. Aufstehen tu ich nur weil der H. Mit stoischen Ruhe täglich mindestens eine Stunde damit verbringt, mich aufzuwecken. In dem er auf mich einredet wie auf ein krankes Pferd, Tee kocht Musik aufdreht und Fenster öffnet.

P.P.S. Die A. steht seit Monaten so auf, dass sie um 9 uhr auf der Bibliothek sein kann um zu lernen. Dementsprechend geht sie auch gegen 23 uhr schlafen, nicht auszudenken, was man da alles versäumen würde (3.klassiges Fernsehen, Überflüssige nicht lustige Trinkeskapaden, sinnentleertes Facebook stalken und posten...die Liste ist, mal wieder, endlos)!
Aber als sie mich fragte, ob ich denn jetzt nicht langsam zu alt für ein Lippenpiercing sei hab ich mir aber doch ein wenig Sorgen gemacht.

P.P.P.S. Ich werde mir auf der Stelle ein paar Kampfbrötchen zulegen. Zu den verständnislosen Fleischessern möchte ich nur folgendes sagen:
Ihre Zahl steigt proportional zu ihrem Alter und dem Abstand von ihrem Zuhause zum Meeresspiegel, ausserdem wächst die Chance auf Unverständnis zu stoßen je weiter man gen Osten wandert und wenn man sich zufälligerweise in Gegenwart von Boku (Universität für Bodenkultur) StudentInnen befindet.

P.P.P.P.S. Ich bin dafür auszuprobieren wie viele P.s man an das P.S. Hängen kann. Ich sehe da noch Potenzial.

Dienstag, 22. Februar 2011

Glaube an das Gute oder bastel dir deinen eigenen Zauberstab

Wiesbaden, der 22.2.2011

Liebe Carla,

ich weiß noch nicht mal was ein Update ist. Im Ernst. Oder vielleicht so. Ich kann erahnen, was es ist, könnte aber nie jemanden erklären, um was es sich dabei handelt.

Fakt ist, vom Computer anderer Menschen abhängig zu sein, kann einen wirklich zur Verzweiflung bringen, auch oder gerade wenn es sich um den technischen Apparat des Lebensabschnittspartners handelt ( ich mag diese Bezeichnung, sie verdrängt irgendwie diesen Gedanken, dass alles ewig hält, von Anfang an).

Ich kenne dieses Spiel. Ich werde da auch zum RTL-Assi-Nachmittags-Vorzeige-Kind und quengel und zeter und mecker solange, bis ich wieder ran darf um die wirklich wichtigen Dinge zu erledigen, wie Z.B diesen Beitrag zu verfassen.

Da hilft es auch nichts, wenn L. neben mir sitzt und quengelt und zetert und meckert, dass er ja auch wichtige Dinge zu erledigen habe, w.z.B Kampfsportfilme auf Youtube anschauen.

Und in dieser Situation wünsch ich mir die härteste Ausgabe der Supernanny- meine Mama- die hart durchgreift und eine Eieruhr stellt und zwar genau auf eine halbe Stunde- so lang darf jeder am Tag ins Internet- ist ja klar.

Meine Mutter, die mich nach meinem letzten Umzug fragte, ob sich nun auch die Emailadresse geändert hätte.

Mütter.

Oder wie N.`s Mutter, die am Ende jeder SMS "ENDE" schreibt, vor lauter Angst, die SMS könnte sonst nicht ankommen.

Oder K.'s Mutter, die einfach nicht versteht warum, wir uns immer am Abend treffen müssen, " Geht doch einfach mal frühstücken".

Das ist wahrscheinlich so ein Generationen Ding. Ich wusste zum Beispiel ganz lange nicht wer Jutin Bieber ist, den Hype um Twilight versteh ich sowieso nicht, und überhaupt.

Ich bin alt geworden.

Und mir haben zu meinem Geburstag nur die Leute gratuliert, von denen ich auch gratuliert bekommen wollte.
Und das alles nur weil ich auf FB meinen Geburstag nicht anzeige. Schau mal nach, auf der ganzen Pinnwand kein dämlicher Geburstags-Kack-halbherzig-gewünschter-Scheiß nur weil ein kleines Päckchen oben rechts aufleuchtet.

Und wer hat mir überraschenderweise gratuliert? L. aus unserer Klasse, die jetzt in B. wohnt. Das war schön.

Also kann man noch an das Gute glauben, manchmal muss man dem Guten nur auf die Sprünge helfen.

Das hat mir M. klargemacht, der Sohn von T. Ich durfte ihm letztens eine Gute Nacht Geschichte vorlesen und vor lauter Freude, dass es "Harry Potter und der Stein der Weisen" war und nicht, "Conni lernt Fahrradfahren" oder sowas, habe ich mich total ins Zeug gelegt- so mit Stimme verstellen, Tempowechsel und so weiter.

Aber schon nach einer halben Seite schreit M. ich soll aufhören.
Er klettert aus dem Bett und holt eine Art krumm gebogenen mit Alufolie umwickelten Stock ins Bett. Und ich bete, dass er mich jetzt nicht fragt, ob ich wisse was das sei.

Netterweise erkennt er meinen leicht verwirrten Gesichtsausdruck und fügt erklärend hinzu:
"Wenn das Böse doch kommt, dann hab ich hier meinen eigenen Zauberstab"

Neugierig frag ich, was denn das Böse sei. Snape?
Nein sagt M.
Ich frage weiter. Gibt es denn auch böse Piraten, doer böse Ritter?

Da schaut er mich lange an und sagt kopfschüttelnd.
"Nein, das gibt es nicht. Es gibt nur die Guten und die Bösen."

Und während ich mir noch denke, naja ob er das nicht ein bißchen schwarz-wezß sieht ( das Alter meines Diskussionspartners habe ich längst vergessen) sagt er:
"Aber die können mir ja auch nichts machen. wegen dem Zauberstab, deshalb ist immer alles gut"

Wie schön, denk ich mir und streichel ihm über den Kopf, so würde ich die Dinge auch gern sehen.

"Und du bist bescheuert, wenn du das nicht verstehst" murmelt er in sein Kissen

In diesem Sinne,
Alles Liebe von deiner Anna

PS: Wer kreidet dir denn deinen vegetarischen Lebenstil an, dass du zu solchen Mitteln greifen möchtest? Egal wer, ich empfehle dir die Kampfbrötchen der Zwerge:

http://www.taekwondo-schwerte.de/04TSG-Erbauliches/geschichten03%20Zwergen%20Rituale%20.htm

PPS: Du und der Finanzhai beim friedlichen gemeinsamen Frühstück- diese Information hat mich so umgehauen, dass ich nicht näher darauf eingehen konnte. Unfassbar aber schön.

PPPS: Bei der Premiere hat alles geklappt bis auf die Applausordnung.

PPPPS: Wie weit kann man das mit dem PS eigentlich machen?

Dienstag, 15. Februar 2011

Re: Nicht die Bettdecke ist es, die dich wärmt....

Wien, der 15.2. 2011

Liebe Anna,
gestern habe ich meinenLaptop geschrottet, weil ich EINMAL vergessen hab ein blödes Update zu machen.
Jetzt is da ein Trojaner drauf, der mich davon abhält, meinen fast fertigen Brief an dich zu senden.

Na gut, dann eben nochmal.
Ist es schlimm, dass ich mich an nichts mehr erinner?
Schreib ich eben was mir grad einfällt.

Also mit deiner Schlafosigkeit kann ich mich genauso identifizieren wie mit der Schläfrigkeit deiner schlaflosen Freundin...
been there done that.
Meine Lösung:
Sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, oder einfach gar nicht schlafen gehen.
Beide Möglichkeiten wurden sowohl von mir als auch von Ä. getestet und für gut befunden.
Oft führt das zu seltsam surrealen Telefonaten um 4 uhr Morgens („im Grunde sind wir doch normal,kann ja nicht gesund sein um 11ins Bett zu gehen...“)
oder auch Nachmittags
(„Morgen, ich sitz grad vor der Tageslichtlampe und frage mich wie sich Tageslicht anfühlt. Ich habs vergessen“, „Du, ich ruf dich in 10min. an, muss noch schnell Kaffee machen“),
ist aber ansonsten durchaus zu empfehlen.

Ich denke nicht, dass deine nächtlichen Gedanken in irgendeiner Weise erschreckend sind. Ich hab mich noch nicht einmal getraut meine aufzuschreiben, weil ich befürchte, mich dann selbst sofort einweisen zu wollen.
Vielleicht liegts aber nur daran, dass ich mir gestern eine Folge Austrias Next Topmodel reingezogen habe wodurch sich auf einmal Grenzen und Definitionen von Gut und Böse relativieren.
Der Grund, warum ich mir das angetan habe liegt allerdings im Dunkeln.

Anna, ich bin so unglaublich erleichtert, dass du die Frau mit dem Regenschirm und die Opfer für ihre Rettung ansprichst.
Lass uns doch darüber mal einen Film machen!

Fischstäbchen, Leberkäse, Hundefutter, Big Mac, a Eitrige oder a Gschwoine.
Man weis nicht was drinnen ist und das ist gut so.
Zumindest die letzten drei hab ich ab und an gern gegessen,
aber das ist vorbei.
Und der nächste der mir ungefragt erzählt warum Vegetarier nerven und Fleisch essen das wahrhaftige und natürlichste überhaupt ist, dem werf ich mein Seidentofu an den Schädel und schieb ihm die Falafel in den Allerwertesten oder ertränke ihn in Reismilch.
So.
Nur, dass das mal klar ist.

Verzeih diese emotionale Entgleisung.
Noch ein paar unter 5 Euro Gerichte?
Bitte sehr
(aus „Das clever Kochbuch-80 1Eur Rezepte“,
1Eur pP=4Eur pro Rezept):

Broccolicremesuppe mit Vollkorn-Mozarellascheiben
Brotsalat
Nudeln Caprese
Chilli con/sin Carne
Wokgemüse mit Reis
Arme Ritter
Topfenknödel mit Weichselröster.

Ich finds natürlich gut, dass du ein feministisches Frauenmagazin im Abo hast (ausser es handelt sich dabei um Emma,dann müssen wir über sinnvolle Investitionen reden).

Apropos Investitionen: Mein kleiner Bruder der Finanzhai kam heute auf ein Salat- und Müslifrühstück vorbei (Ja, ein vegetarischer Hai, wie Bruce warum der aber einen australischen Dialekt hat weis ich jetzt nicht).
Und jetzt der erschreckende Teil: Es hat Spaß gemacht und die Zeit verging wie im Flug.

Aber jetzt entschuldige mich bitte, ich muss den kläffenden Nachbarshund mit einem Stowasser erschlagen.
Alles Liebe
Carla

P.S. Ja. Facebook ist out, wer seine Zeit so richtig verschwenden will geht zu Pinterest.

P.P.S. Wie war eure Premiere???

Montag, 24. Januar 2011

Nicht die Bettdecke ist es, die dich wärmt....

Liebe Carla,

Du bist es die, die Bettdecke wärmt. Also jetzt nicht Du, aber man/ frau (frau wird in dem Fall klein geschrieben, ja?. Kenn mich da nicht so aus in diesen Gender Fragen, obwohl ich mich seit gestern als Abonnementin eines feministischen Frauenmagazins bezeichnen darf).

Aber darum geht es auch gar nicht.

Ich wurde letztens mal gefragt – nachdem ich nach etlichen schlaflosen Nächten, anscheinend auch dementsprechend schlaflos gewirkt haben muss, über was ich eigentlich so nachdenke, wenn ich nicht schlafe.

Gefragt wurde ich das ausgerechnet von meiner wirklich guten Freundin H., deren normales Schlafpensum bei gerade mal eineinhalb Stunden pro Nacht liegt, die aber seit neustem dank dem neuen Schlafmittel immer müde ist.

Nur leider nie nachts.

Da ich darauf nun wirklich gar nichts zu antworten wusste, habe ich beschlossen bei der nächsten Nacht ohne Schlaf, einfach mal zu protokollieren, was mir da so durch den Kopf geht.

Um eins vorweg zu nehmen. Es ist erschreckend, ich weiß das.
Und das schlimmste daran. Ich habe es schon gekürzt.


01:50 Der Film ist dumm. „Dreizehn“. Der Film, war ja aber auch keine Empfehlung. Die Einzige, die mir immer Filme empfiehlt ist K. Und K. gehört zu den Leuten, deren Filmtipps eher durchwachsen sind. Ich meine da kann schon mal so etwas dabei sein wie „Adams Äpfel“,aber genauso gut eine wirklich schlechte Junkie-Pärchen-Romanze wie „Candy“.

01:51 Es gibt Filme, die ja gar nicht einzuordnen sind- also ob sie gut oder schlecht sind. Spiderman zum Beispiel ist jetzt nicht nur schlecht.

01:55 Ich frag mich, was mit den ganzen Leuten passiert. Also, wenn Spiderman jetzt real wäre, es gibt so viele Leute, die er verletzt hat aus Versehen, weil er die alte Frau retten will, die oben mit dem Regenschirm an der Dachrinne eines Wolkenkratzers hängt und für deren Rettung er halt leider drei Stockwerke zum Einstürzen bringen muss. Abgesehen von den ganzen Autos, die unten an der Kreuzung im Spinnennetz hängenbleiben, und deren Insassen mindestens ein Schädel-Hirn Trauma davontragen

01:56 Warum macht man keinen Film über diese Leute?

01:58 Ich glaube ich habe „Star Wars“ nie richtig verstanden.

02:01 Ich brauche eine Strickjacke. In blau.

02:02 Was heißt denn brauchen? Ich brauch überhaupt nichts. Ich kaufe nichts mehr. Nie wieder.

02:03 Ich habe noch 92, 53 auf dem Konto. Müsste drauf sein. Die Strickjacke ist drin.

02:04 Falls weniger drauf ist- fünf Rezepte unter fünf Euro: Kartoffelsuppe; Kartoffelbrei, Fischstäbchen und Spinat.....

02:06 Früher gabs immer Fischstäbchen bei der Oma, und die Mama hat's verboten weil die Panade angeblich krebserregend war.

02:07 Ich muss weniger rauchen

02:10 Schlafen wäre jetzt gut. Ein Buch mit F.? „Faust“ ein Film mit F.? „Fear and Loathing in Las Vegas“

02:11 Wie heißt nochmal das Lied, das der fette Typ, der, der nicht Johnny Depp ist, in der Badewanne singt?

02:13 Irgendwas mit rabbit!

02:15 Vielleicht white rabbit?

02:16 Sicher „white rabbit“. Klar.

02:20 Oder?

02:22 Wenn mir die ersten zwei Zeilen einfallen, dann kann ich schlafen.

02:25 One pill makes you larger, and one pill ….

02:26 ...and one pill....

02:27 one.....

02:28 ...pill...

02:29 Scheiße

02.31 Ich brauch ein Schlafmittel


In diesem Sinne, alles Liebe von deiner Anna

Ps: Facebook ist out.

Dienstag, 4. Januar 2011

Betreff: Arschtritt.Hahnentritt.Höllenritt.

Muss ich noch mehr sagen?
Ich muss?
Ok:
Schreib mir was.
Ich hab schon zwei Beiträge geschrieben und es kommt einfach Nichts.
Nichts.
Das geht so nicht.
Anna.
Wirklich.
Heut hätte ich mir beinahe Hahnentrittmuster auf die Fingernägel geklebt.
Und alles nur weil du nicht da bist. Es ist grausam. Es ist traurig.
Und mit wem soll ich meine Freude über den neuen Spongebob Sandwichmaker teilen?

Sonntag, 26. Dezember 2010

Betreff:?

WINTERSCHLAF FOR THE WORLD!!!
Wer braucht schon einen Blog wenn er ein Leben und ein Telefon hat.
Trotzdem:
Nächstes Jahr werden wir uns gaaaanz oft schreiben oder?
Zumindest bis ich meine Neujahrsvorsätze in der Mülltonne vor dem Fluc verbrannt habe. Nämlich bei unserem nächsten Club

to-hell-with-goo-intentions


Der Flyer wurde vom Falter zum Flyer der Woche gewählt. Sag ich dir mit stolz geschwellter Brust, grad bevor ich dich anrufe. Das tu ich nämlich jetzt.

Kuss und Gruß
C.

Montag, 6. Dezember 2010

Betreff: Ein bisschen Glück für 233,15Eur

Wien, Nikolo2010

Liebe Anna,
deinen letzten Brief habe ich frierend in gefühlte 50 Decken gehüllt und italiensch fernsehend verbracht.
Ich habe auf den Heizungsinstallateur gewartet und versucht wach zu bleiben.
Italiensches Fernsehen, nenne ich es, wenn der Fernseher läuft damit man Hintergrundgeräusche hat.
Das hilft um sich nicht allein zu fühlen und es hilft um wach zu bleiben.
Warum ich das erzähle?
Genau in dem Moment als ich zu den Worten „…Wehe in einem deiner nächsten Briefe kommen irgendwie die Worte Advent, Adventskalender oder Adventskranz vor…“ kam, hörte ich Zooey Deschanel und Mary Steenburgen (etwa bei Minute 2:00) das hier singen.
Irgendwo zwischen Brechreiz und Lachanfall hab ich mich entschieden dem Installateur die Tür aufzumachen.
Anna, ich weiß nicht was es ist, aber irgendwie erinnert mich diese Steenburgen an dich. Ich glaub es ist ihre charmant schüchtern, unbeholfen und doch inbrünstige Art zu singen.

Als der Installateur mich um 233,15 Eur erleichtert hatte,
hab ich die Heizung erstmal auf 30 Grad gedreht und bin nach 4 Tagen endlich wieder ausgiebig duschen gegangen.
Dann ging ich auf die Uni, als ich zurück kam hab ich mich tatsächlich wie im Freibad gefühlt.
Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt meinen Bikini und meine neue 50er Jahre Sonnenbrille auszupacken,
ein bisschen Sonnencreme auf die Nase zu klatschen und ein paar Sommerlieder zu hören.
Dann ist mir aber eingefallen, dass es eine Sache gibt die ich noch weniger leiden kann als das Weihnachtsgetue:
Sommerhits.
Das sind mit Abstand die größten Verbrechen an unseren Ohren. „Ab in den Süden“, dieser Ketchupsong, „Jungle Drum“ oder wie sie alle heißen. Oh, und nicht zu vergessen unsere persönlichen Helden:
Also hab ich den Bikini in einer Ecke verstauben lassen und mich versucht zu erinnern was mich immer wieder von einem Freibadbesuch abgehalten hat:
Ich glaube es war eine Studie über die Menge Urin die eine Person pro Schwimmbadbesuch verliert. Habe aber beschlossen nicht mehr dran zu denken. Jetzt wo wir Minusgrade, und sogar hier in Wien gut 20cm Schnee haben, erinner ich mich lieber an die nervigen Touristenmassen, an schwitzende U-Bahnpassagiere und in der Hitze vor sich hin dampfende Hundehaufen und schon find ich den Winter schön.
Ich mag, dass sogar die Stadt leise wird und ich mag,
dass die kleinen Kinder und die Hunde komplett durchdrehen und Schneeflocken jagen.
Ich mag, dass die arroganten Tussis auf ihren Pfennigabsätzen die Stumpergasse hinunter rutschen und sich dabei noch den knochigen Hintern abfrieren.
Ich mag auch, dass man immer eine gute Ausrede hat zu spät in die Arbeit oder auf die Uni zu kommen…

Naja, die Welt versinkt im Schnee- und ich im emotionalen Chaos. Deshalb pack ich jetzt die Schneeschaufel aus und räume auf.

Anna, ich freu mich schon wieder von dir zu hören!
Hab eine schöne Woche.

P.S.: Gerade erst habe ich ein Gurkenglas mit Erdbeermarmelade mit den Worten „Danke, dass wir hier übernachten dürfen. Das ist aus der Tetlhamgasse.“ entgegen genommen.
Ich hatte Tränen der Rührung in den Augen.
Ich bin nur froh, dass mir die Herrschaften kein Reh mitgebracht haben, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

P.P.S. Die Sprachlichen Verlogenheiten des Alltags…Oh ich könnte dir erzählen...Aber dazu schreib ich dir vielleicht Morgen was.
Ich hab ja bei N. auf Facebook so ein Bild von dir mit Renntiergeweih entdeckt und nehme an, dass es sich dabei um einen Schnappschuss von besagter Weihnachtsfeier handelt. Mein Mitleid ist grenzenlos.

Dienstag, 23. November 2010

Marmelade kochen oder die sprachlichen Verlogenheiten unseres Alltags

Wiesbaden, der 23.11.2010

Liebe Carla,

ich habe tatsächlich mal Tennis gespielt. Aber, dass du mal Kampfsport betrieben hast, das fällt mir schwer zu glauben. Was kommt als nächstes? Eine A., die uns beichtet neben dem langjährigen Klavierstudium, etliche Modern Dance Erfahrungen gesammelt zu haben?

Also wahre Freundschaft ist, wenn man mit den Jahren immer mehr Details über die Abgründe des Anderen erfährt, daran galube ich fest.
Und wenn wir gerade bei Abgründen sind. Ja ich habe tatsächlich mal Tennis gespielt und ich hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn deine Oma mich als Enkelin adoptieren würde, aber nur wenn es die Oma ist, die dir täglich bis zu zwei Paar selbstgestrickte Socken zukommen lässt.

Mag sein, dass ich ein wenig übetreibe.

Ich habe ja eine wahre Affinität zu selbstgemachten Dingen- allerdings nur wenn nicht ich sie selber gemacht hab. Bei anderen Menschen ist das für mich ein Zeichen für Qualität. Ich gehöre tatsächlich zu den Menschen, die auf einem Wochenmarkt ein Glas selbstgemachter Marmelade kaufen und dabei noch denken mit 5.99 für das Glas ein echtes Schnäppchen gemacht zu haben- weil das musst du dir mal vorstellen die dicke, rotwangige Bäuerin, die ist ja frühmorgens aufgestanden und im Nebel die Himbeeren suchen gegangen, die sie dann unter den größten Anstrengungen eingemacht ( ein wunderschönes Wort, wie ich finde) hat.

Meine eigenen Versuche Marmelade zu kochen haben es nie bis aufs Brot geschafft. Ich meine es schmeckt schon nicht weil die ganze Vorgeschichte fehlt. Oder weil es die falsche ist. Da ist nichts mehr übrig von der Romantik, die ein Marmeladengals sonst so mit sich bringt.

Ich pflückte meine Erdbeeren in der Mittagshitze, da ich es natürlich nicht geschafft habe, wie geplant um 8.00 morgens aufzustehen. Es ist ja auch nicht so, dass ich irgendwelche geheimen Ecken kenne, wo die süßen Waldbeeren wachsen, ein Familiengeheimnis, das schon meine Urgoßmutter meiner Großmutter und die meiner Mutter gesagt hat. Scheiße nein. Ich stand einfach auf einem dieser Erdbeerfelder wo man quasi fürs Pflücken mitbezahlt. Man hat mehr Arbeit, es kostet mehr Geld, aber man hat auch gleichzeitig dieses unbeschreibliche Gefühl. Was für ein Gefühl das sein könnte, konnte ich nur erahnen, während mir Hinz und Kunz aus der Nachbarschaft auf die Füße traten – allesamt keine sehr sympathischen Menschen, die da in der Natur, welche auf ein halbes Fußballfeld begrenzt ist, zu enstpannen versuchten und ich merkte schnell, dieser Naturgedanke muss aus einer gestressten Büroangestellten noch lange keine lächelnde Erntehelferin machen.

Die Hälfte der Erdbeeren waren noch übrig, als ich zuhause ankam, ein Viertel der anderen Hälfte hatte ich schon aufgegessen, das andere Viertel schreiend weggeschmissen, nachdem ich diverses Getier drüber krabbeln gesehen hab. Spätestens hier hab ich aufgegeben.

Das war mal mein Versuch Anfang Dezember über ein ganz und gar unaktuelles Thema zu schreiben. Würde gerne nächste Woche mal von dir etwas hören, dass mit der Wasserqualität in Freibädern zu tun hat. Wehe in einem deiner nächsten Briefe kommen irgendwie die Worte Advent, Adventskalender oder Adventskranz vor.

Also Freibäder, ja?
Falls du überhaupt bis hierhin gelesen hast.

Aber wir waren bei den Abgründen.

Also etwas, das für mich in jedem Fall mit Abgründen zutun hat, das sind die sprachlichen Verlogenheiten. Ich meine das keiner mehr das zu meinen scheint, was er sagt. Und je bedeutender der gesellschaftliche Status, desto größer die Verlogenheit. Das klingt jetzt erst mal so nach Klassenkampf, aber warte mal.

Also pass auf. Ich war gestern mit N. auf der Weihnachtsfeier ihrer Firma. Nur gut betuchte Menschen, Frauen widerlich aufgerüscht, Männer schlicht ekelhaft. Und ich dazwischen verstehe auf einmal warum es einen Sektempfang gibt. Ich brauche in diesem Moment auf jeden Fall etwas, an dem ich mich festhalten kann. Wie auch immer es kommt eine Dame auf mich zu. Eine Dame zwar, owohl kaum älter als wir, aber halt dieses damenhafte. Haare vom Friseur gewaschen und gelegt ( ja es gibt tatsächlich Menschen, die zum Friseur gehen, ohne sich die Haare schneiden zu lassen), das Kleid teuer und passend zu Schuhen und selbst die Haarspange greift irgendwie das graphische Design der Tasche auf.
Auf jeden Fall wir werden vorgestellt. Ich sage " Anna,Hallo", und W., wie sie heißt sagt "Hallo Anna, sehr erfreut dich kennen zu lernen".
Sagt sie mit einem Lächeln und wiegt ihr perfekt geschminktes Gesicht hin und her, während ihr eine Locke wie zufällig in die Stirn fällt.

Und ich frage mich wieso sollte es sie freuen ausgrechnet mich kennen zu lernen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass es an den zahlreichen Gemeinsamkeiten liegt, die uns verbinden.

Ich meine ich sage ja auch "Guten Abend". Aber das mein ich ja auch so. Es gibt wenige Leute, denen ich nicht einen guten Abend wünschen würde. Weil, was heißt das schon. Einen guten Abend im Leben hat ja jeder irgendwie verdient. Also fast jeder.

Nach dem Fünf-Gänge Menü bin ich, auf dem Weg nach draußen treffe ich W. wieder.
"Hat mich sehr gefreut sie kennen zulernen" sagt sie zu einem Mann mit Fliege, der schon einige dieser Menüs hinter sich zu haben scheint.. Wenn man gemein sein möchte könnte man sagen: Er ist unglaublich fett. Aber das tut der Nettigkeit der Dame keinen Abbruch. Denn wenn du der Chef bist, dann kann keine Wampe der Welt dich vor Sympathiebekundungen schützen.

Ich denk mir nur. Mal abwarten vielleicht verabschiedet sie sich ja auch noch von mir und dann werde ich ihr mal was erzählen, über die sprachlichen Verlogenheiten unseres Alltags. Und während mein Kopf, na gut einige Gläser Halbtrockenes intus, schon eine wahre Hassrede vorbereitet, wendet sie sich zu mir,

"Wir haben uns ja schon kennengelernt"
sagt sie mit hochgezogener Augenbraue, die Locke steht ab, und das Lächeln wirkt ein wenig eingefroren.

Und ich stelle bestürzt fest, dass ihr die Wahrheit wirklich nicht steht.

Soviel von mir,
Alles Liebe Anna

PS: Wahrscheinliche bin ich der einzige Mensch, der zwei Seiten schreibt, aber kaum etwas erzählt – Adalbert Stifter jetzt mal ausgenommen.

PPS: Meine Mitbewohner haben meine neu entflammte Sammelleideschaft gnadenlos boykottiert und alle Pfandflaschen weggeschmissen

PPPS: Auf dein Erlebenis mit H. Bin ich bewusst nicht eingegangen. Denn dann hätte ich meinerseits über meine Erfahrungen mit der Katzen kastrierenden E. schreiben müssen. Das wäre eindeutig zu weit gegangen.

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